Zurück ins Jahr 2008...
Was kommen sollte und was kam oder blieb?
...ein großer "Schrotthaufen" wie befürchtet und belächelt, kein Rückbau wie versprochen, keine Arbeitsstellen, ein neuer Betreiber, der die gleichen Versprechen macht? Alle Jahre wieder???
Zeitungsartikel, von Wolfgang Hörmann (auf das Wort Zeitungsartikel klicken, dann sehen Sie den Original Ausschnitt)
BIOGASANLAGE Brunner Öffentlichkeit bestand am Dienstagabend nur aus einem guten Dutzend
In der Großgemeinde Wusterhausen bekommt die Landwirtschaft gleich an mehreren Orten ein neues Wirkungsfeld. Das macht überall umfangreiche Vorbereitungen notwendig.
BRUNN Auch im Ortsteil Brunn wird - geht alles nach Plan der Biostrom Energiesysteme mit Sitz in Vechta - wie beim Nachbarn in Bantikow aus nachwachsenden Rohstoffen schon bald Biogas erzeugt. Es bildet die Grundlage für elektrischen Strom. Vorgesehen sind zwei Anlagenstrecken, gelegen auf einem Gelände der PVA Bantikow am Ortsein-gang, aus Wusterhausen. Planer und Betreiber haben das Vorhaben am Dienstagabend in der Gaststätte Heinze erläu-tert. Sie taten das nicht zum ersten Mal. Deshalb wahrscheinlich war mit einem guten Dutzend Interessierter deutlich weniger Publikum da als im Herbst 2006. Der erneute Termin hatte sich erforderlich gemacht, weil wir bisher nicht recht weitergekommen sind", so Helmar Hentschke, als Anwalt für die rechtliche Seite des Investitionsvorhabens zuständig. Ein Bebauungsplan für das Gelände soll her. Das verlangt das Landesumweltamt. Und die Gemeindevertretung von Wusterhausen muss der Änderung des Flächennutzungsplanes zustimmen. Schließlich ändere sich die Art der Verwendung. Aus einem landwirtschaftlich genutzten Areal soll ein „Sondergebiet für die Energiegewinnung aus Biomasse" werden. Die Versammlung am Dienstag stellte die unvermeidliche öffentliche Beteiligung dar. Es wird den Beschlussentwurf im Gemeindeparlament geben, das etwas anderes ist nicht zu erwarten - zustimmen dürfte. Schließlich sind ab dem 4. Produktionsjahr Gewerbesteuern in einer Höhe von bis zu 20 000 Euro zu erwarten.
Gewerbesteuern erhält die Gemeinde, nicht der Ortsteil, in dem sie erbracht werden
„Und was haben wir davon?" Die Frage, die einer aussprach, hatte auch Ortsbürgermeisterin Renita Schulz auf den Lippen. Das sei Verhandlungssache mit der Verwaltung, hieß es ausweichend. Brunn ist bekanntlich einer von 23 Ortsteilen der Großgemeinde. Steuereinnahmen sind auch bisher nicht ortsgebunden, Nutznießer damit alle. Zwei Arbeitsplätze wird die Anlage in Brunn bringen. Die Leute haben sich um die einmal tägliche Beschickung der Anlage hauptsächlich mit Mais (das ist sicher), Getreide und Gülle (das ist nicht siher) zu kümmern. Auch die Wartung und das Entsorgen von Klärabfällen obliegt dem Doppel. Letztere werden als Dünger auf ausgewiesene Flächen gefahren. Der biologische Kreislauf bleibe so erhalten, betonte Günter Schlotmann, Geschäftsführer der Biostrom Energiesysteme.
Protest der Brunner gegen den Neubau regte sich am Dienstag kaum. Lediglich, als Befürchtungen laut wurden, dass die Anlagen schon bald als überflüssiger Schrott dastehen könnten, wurde es einmalig etwas derb in der Wortwahl. Aber Günter Schlotmann und seine Mannschaft konnten den Eindruck, als „Heuschrecke" einzufallen, schnell mit Fakten verwischen. Vorgesehen sei eine Betreibung über 20 Jahre. Das soll dann nicht das Ende gewesen sein. Außerdem gebe es eine Rückbaugarantie in den Verträgen und „schließlich investieren wir nicht, um nach kurzer Zeit alles stehen und liegen zu lassen", so Schlotmann.
Schon nach gut einer Stunde hatte keiner mehr Fragen. Stattdessen beugten sich Interessierte über den Plan, der das Sondergebiet zeigt, wie es einmal aussehen soll - mit der Biogasanlage, einer Anfahrt über den Triftweg, was die Dorfstraßen weitestgehend verschont, mit fast 50 zu pflanzenden Bäumen und jeder Menge Sträuchern. Bei Anrechnung größtmöglichen Tempos, das Beschlüsse und Auslagefristen vorgeben, ist im Mai oder Juni Baubeginn, Ende des Jahres Fertigstellung.
Bantikow übrigens, nur rund 4000 Meter entfernt, will nun im April die Anlagen hochfahren. Zu viel Nasses von oben hat die Grundwasserschichten ansteigen und zwischenzeitlich Seen entstehen lassen, die erhebliche Verzögerungen erzwangen. Ob das in Brunn auch so sein wird, konnte am Dienstag keiner sagen. Es war aber auch kein Thema..
